Wer sich an Fernsehsendungen wie «Grey’s Anatomy» oder «Emergency Room» ein Beispiel nimmt, könnte im Notfall gravierende Fehler begehen. US-Forscher haben sich 327 Folgen populärer TV-Serien aus dem Alltag von Medizinern angesehen und festgestellt, dass die Hälfte der dargestellten epileptischen Anfälle nicht korrekt behandelt wurde. Demnach wurden in 59 der 327 Folgen Patienten mit epileptischen Anfällen gezeigt. In 51 Fällen nahmen sich Ärzte oder Schwestern der Patienten an. Dies ist laut der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie jedoch bei weniger als fünf Minuten anhaltenden Krämpfen nicht nötig. In 25 TV-Folgen (46 Prozent) handelte das Krankenhauspersonal in den Fernsehfolgen inkorrekt. Es versuchte unter anderem, die zuckenden Epileptiker festzuhalten und ihnen etwas in den Mund zu schieben, um ihre Zähne zu schützen. Ein ungeschulter Helfer verletzt sich und den Epileptiker jedoch eher, als dass er ihm sinnvolle Hilfe leistet. Das von Laien oft befürchtete Verschlucken der Zunge ist zudem äußerst selten. Ein korrektes Verhalten bekamen die Zuschauer nur in 17 Folgen (29 Prozent) zu sehen: Ersthelfer sollten ruhig bleiben. Gefährliche Gegenstände sollten aus dem Umfeld des Patienten entfernt werden. Wenn möglich, kann dem Betroffenen eine weiche Unterlage unter den Kopf geschoben werden. Nach dem Anfall kann der Patient verwirrt sein. Ihm sollte ruhig zugesprochen und Hilfe angeboten werden. Schläft der Betroffene nach dem Anfall ein, sollte er in die stabile Seitenlage gebracht und eventuelle Speichelreste entfernt werden.

«Fernsehdramen sind ein ideales Instrument zur Aufklärung eines breiten Publikums in erster Hilfe bei epileptischen Anfällen», kommentierte der
federführende Autor der Studie, Andrew Moeller von der Dalhousie Universität in Halifax (Kanada), das Ergebnis, das auf der 62. Jahrestagung der Amerikanischen Academy of Neurology im April in Toronto vorgestellt werden soll. Moeller rief die Betroffenen auf, bei der TV-Industrie auf die korrekte Darstellung zu pochen, damit sie im Notfall auch von Laien erste Hilfe bei einem Anfall bekommen könnten. Von den insgesamt vier kritisierten US-Serien wurden oder werden drei von ProSieben in Deutschland ausgestrahlt: «Grey’s Anatomy», «Private Practice» und «Emergency Room». «Dr. House» läuft bei RTL.

Quelle: PZ/dpa

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