Die katholische Kirche lehnt sie strikt ab, Millionen Frauen dagegen hat sie das Leben erleichtert: Die Anti-Baby-Pille feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. Ihr Erfinder, Professor Dr. Carl Djerassi, gelang vor 50 Jahren die Synthese des Hormons Gestagen. Im August 1960 kam die erste Antibabypille unter dem Namen Enovid auf den amerikanischen Markt. Ein Jahr später konnten dann auch deutsche Frauen mit Anovlar verhüten. Nicht nur medizinisch, auch gesellschaftlich war das Medikament ein Durchbruch. Die Pille war ein Meilenstein der sexuellen Revolution. Laut des Mainzer Professors für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, Dr. Norbert Paul, nehmen weltweit bis zu 120 Millionen Frauen hormonelle Verhütungsmittel ein. Am beliebtesten sind sie in Nord- und Mitteleuropa, wo rund 40 bis 60 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter jeden Tag zur Pille greifen. In vielen islamischen Ländern werde die Pille inzwischen zur Geburtenkontrolle in der Ehe und zur Verschiebung der Periode eingesetzt, damit Frauen an religiösen Feiertagen in die Moschee gehen können. Die blutende Frau gilt im Islam als unrein. In China, wo traditionelle Medizin eine große Rolle spielt, hat es die Pille dagegen schwer – trotz staatlich verordneter Ein-Kind-Politik und staatlicher Subventionierung.

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