Warum Frauen weniger stressresistent sind als Männer, haben nun US-amerikanische Forscher entdeckt: Das weibliche Gehirn reagiert sensitiver auf Stresshormone und zeigt auch deutlich später eine Gewöhnungsreaktion als das männliche. Dies berichten Rita Valentino und ihre Kollegen vom Children’s Hospital in Philadelphia im Fachjournal »Molecular Psychiatry« (doi: 10.1038/mp.2010.66).

Eine wichtige Rolle spielt dabei der Corticotropin Releasing Factor (CRF), der die Ausschüttung von Stresshormonen induziert. Die Forscher setzten Ratten Stresssituationen aus und untersuchten dann die Bindung von CRF an seinen Rezeptor.

Diese fiel bei weiblichen Tieren stärker aus als bei männlichen, die entsprechend weniger stark auf das Hormon reagierten. Zu­dem trat bei den Männchen relativ rasch ein Gewöhnungseffekt auf: Durch eine sogenannte Internalisierung reduzierten die Neu­ronen die Zahl der CRF-Rezeptoren auf der Zelloberfläche. Bei Weibchen trat dieser Effekt nicht auf, weil ein für die Internali­sierung wichtiges Protein nicht an den CRF-Rezeptor binden konn­te. Weibliche Ratten waren daher stärker und länger ge­stresst. Ob die Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind, ist unklar. Der physiologische Unterschied könnte allerdings er­klären, warum Frauen etwa doppelt so häufig an stressbeding­ten Erkrankungen wie Depression oder posttraumatische Belastungsstörung leiden wie Männer.

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