Der Verlust eines Körperteils ist im doppelten Sinne schmerzhaft, denn neben Wundschmerzen leiden die Betroffenen häufig an so genannten Phantomschmerzen. Schmerzforscher der Universität Jena entwickeln nun eine Handprothese mit Sensoren, die diese Schmerzen lindern kann.

Im Gegensatz zu den körperlichen Wunden, die irgendwann verheilen, bleiben Phantomschmerzen oftmals über Jahre, nicht selten das ganze Leben bestehen. Diese Schmerzen sind nur sehr schwer zu behandeln und sind ausgesprochen therapieresistent, trotz hoher Dosen von Analgetika.

Nun können Wissenschaftler der Universität Jena den betroffenen Patienten Hoffnung auf Linderung machen: Gemeinsam mit Unfallchirurgen des Jenaer Uniklinikums und Wirtschaftspartnern haben sie herkömmliche Handprothesen so verändert, dass Phantomschmerzen nach einer Unterarmamputation reduziert werden können. Ein zentraler Bestandteil der Neuentwicklung ist eine Stimulationseinheit, die über eine Manschette mit dem Oberarmstumpf des Patienten verbunden ist. Zwischen Daumen und Zeigefinger sowie am Daumen der Handprothese befinden sich Drucksensoren. Ursprünglich sollten die lediglich dazu dienen, die Griffstärke der künstlichen Hand zu regulieren – je nachdem, ob man ein rohes Ei oder einen Hammer greifen will. Das neue System überträgt diese sensorischen Informationen nun auch von der Hand an den Oberarm. Auf diese Weise erhält das Gehirn eine Rückmeldung von der Prothese, als wäre es die eigene Hand.

Eine Ursache für Phantomschmerzen ist, dass die Gehirnstrukturen, die ursprünglich für die Reizverarbeitung aus dem Arm zuständig waren, nach dessen Verlust plötzlich „arbeitslos“ sind. Deshalb kommt es zu einer Umstrukturierung der Gehirnbereiche. Diese Areale übernehmen stattdessen die Verarbeitung von sensorischen Reizen aus anderen Körperteilen, vor allem aus dem Armstumpf und dem Gesicht. Dadurch kommt es dort zu verstärkten, häufig schmerzhaften Empfindungen – den Phantomschmerzen.

Durch die Rückkopplung zwischen neuer Hand und Gehirn, wie sie das Jenaer System ermöglicht, soll die Umstrukturierung im Gehirn verhindert oder sogar rückgängig gemacht werden. Erste Patienten haben das System getestet und als positiv empfunden. Nun geht es darum, die mit dem Rückkopplungssystem ausgestatteten Prothesen von möglichst vielen Patienten testen zu lassen, um genügend Erfahrungen zu sammeln.

Quelle: Pressemitteilung der Friedrich-Schiller-Universität Jena, 6. August 2010.

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