Die mehr als 1000 verschiedenen Bakterienarten in unserem Darm bilden ein feines Netzwerk im Zusammenspiel mit unserer Verdauung und unserem Immunsystem. Wiederholte Antibiotikagaben können diese „Symbiose“ empfindlich und nachhaltig stören, wie eine aktuelle Studie nun gezeigt hat.

Wissenschaftler der Stanford University School of Medicine beobachteten drei Frauen, die fünf Tage lang mit dem Breitbandantibiotikum Ciprofloxacin behandelt wurden. Nach sechs Monaten erhielten die Frauen erneut das Antibiotikum in demselben Dosierungsschema.

Verglichen wurde die Zusammensetzung der Darmflora anhand von mehr als 50 Stuhlproben sowohl vor als auch nach der Antibiotikagabe über insgesamt zehn Monate. Durch gentechnische Untersuchungen kamen David Relman und seine Kollegen zu folgendem Ergebnis: Während der ersten Antibiotikagabe nahm die Anzahl der Bakterienarten um ungefähr ein Drittel ab. Der entstandene „Platz“ im Darm wurde durch weniger häufige Spezies eingenommen. Nach ca. einer Woche stellte sich jedoch bei zwei der drei Frauen wieder die ursprüngliche Bakterienbevölkerung ein.

Die zweite Antibiotikagabe sechs Monate später hatte stärkere Auswirkungen auf die Bakterienzusammensetzung. Bei keiner der drei Probandinnen entwickelte sich die Darmflora zu ihrer ursprünglichen Form zurück. Die großen Veränderungen können schwerwiegende Folgen haben. So vermuten die Studienautoren, dass gutartige Bakterienarten komplett aus dem Darm entfernt werden können und im Kampf gegen schädliche Keime nicht mehr zur Verfügung stehen. Dieser Verlust der nützlichen Bakterien könnte erst Jahre später kritisch werden. Die Studie soll nicht nur auf die Folgen der Behandlung mit Ciprofloxacin, sondern allgemein auf die Wirkung von Antibiotika auf die Darmflora hinweisen.

Quelle: Dethlefsen, L., Relman, D. A.: Proc. Nat. Acad. Sci., Online-Vorabpublikation, DOI: 10.1073/pnas.1000087107

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