Der therapeutische Einsatz des als Faltenkiller bekannt gewordenen Nervengifts Botulinumtoxin A kann bei Langzeitanwendung zu Muskelschwäche und -atrophie führen. Die Ergebnisse einer Studie der Universität Calgary werfen neue Fragen über die Sicherheit des starken Gifts auf.

Botulinumtoxin ist seit Anfang der 80er Jahre ein zugelassenes Arzneimittel bei der Behandlung von Bewegungsstörungen wie zerebraler Kinderlähmung, dem Lidkrampf und anderen spastischen Erkrankungen der quergestreiften Muskulatur. Auch in der medizinischen Kosmetikbehandlung kommt der Wirkstoff häufig zur Anwendung. Eine Studie stellt nun die Zuverlässigkeit des vielseitig einsetzbaren Muskelrelaxans in Frage. Nach einer Injektion therapeutisch eingesetzter Dosen des Botulinumtoxin A in das Gewebe von Versuchstieren beobachteten die Wissenschaftler eine Muskelschwäche, die im ganzen Körper des Tieres auftrat, sich also nicht nur lokal an der Injektionsstelle zeigte. Bei wiederholter Anwendung konnte eine Atrophie der Muskulatur und ein Abbau des kontraktilen Gewebes in den Extremitäten nachgewiesen werden.

„Wir waren selbst überrascht, wie stark Muskeln verkümmern, die auch weit von der Einstichstelle entfernt liegen“, so die Studienautorin Rafael Fortuna. Vorangegangene Studien hatten bereits gezeigt, dass Botulinumtoxin A die Membran des Muskelgewebes leicht passieren kann. Um eine nebenwirkungsarme Langzeitbehandlung mit Botulinumtoxin A zu ermöglichen, sollen weitere Studien folgen.

Quelle: Pressemitteilung der University of Calgary vom 2.12.2010

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