Die Ursache von Gedächtnislücken bei massivem Alkoholkonsum, den sogenannten Filmriss, haben nun US-amerikanische Forscher aufgeklärt: Sie entstehen nicht durch Absterben von Gehirnzellen, sondern durch die Störung der Funktion von NMDA-Rezeptoren im Gehirn. Im Tierversuch ließ sich der Filmriss durch Einnahme von Finasterid, einem Arzneistoff gegen Haarausfall und benigne Prostatahyperplasie, verhindern. Dies berichten Forscher um Kazuhiro Tokuda von der Washington University School of Medicine in St. Louis im »Journal of Neuroscience« (doi: 10.1523/JNEUROSCI.1660-11.2011). In Untersuchungen an Ratten fanden die Forscher den Mechanismus heraus: Große Mengen Alkohol stören die Funktion von NMDA-Rezeptoren – einige werden aktiviert, andere blockiert. Dies führt dazu, dass die Neurone Steroide freisetzen. Diese unterdrücken die Langzeitpotenzierung (LTP), ein wichtiger Prozess der Gedächtnisbildung. Auch bei hohen Alkoholdosen sei die Kommunikation der Zellen untereinander nicht gestört, sagt Charles Zorumski, Seniorautor der Studie. »Du verarbeitest immer noch Informationen, du bist nicht betäubt oder ohnmächtig. Du bildest nur keine neuen Erinnerungen mehr.« Bei ihren Untersuchungen fanden die Forscher auch einen Weg, den Filmriss zu verhindern: Wenn sie den Ratten vor ihrem Vollrausch 5-alpha-Reduktase-Inhibitoren wie Finasterid verabreichten, wurde die Produktion der Steroide verhindert und die Gedächtnisbildung blieb erhalten.

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