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Bis jetzt hat man geglaubt, dass der Malaria Erreger in die roten Blutkörper eindringt in dem er sich an verschiedene Proteine der Zellmembran koppelt. Das Wellcome Trust Sanger Institute hat jetzt mitgeteilt, dass nur ein Protein für diesen Prozess verantwortlich ist. Dies eröffnet faszinierende Perspektiven zur Erforschung eines Impfstoffes. Ein Notfall wenn man bedenkt, dass jedes Jahr 1 Million Menschen dieser Krankheit erliegen.

Die Schlafdauer eines Menschen ist individuell unterschiedlich. Eine Rolle spielen – neben saisonalen Veränderungen – unter anderem das Alter, Geschlecht und der Chronotyp. Münchener Chronobiologen haben nun den ersten genetischen Faktor identifiziert, der die Schlafdauer beeinflusst und zugleich weit in der Bevölkerung verbreitet ist.

Die Wissenschaftler führten dazu eine genomweite Assoziationsstudie durch, bei der mehr als 4.000 Probanden aus sieben europäischen Populationen von Estland bis Italien zu ihren Schlafgewohnheiten Rede und Antwort standen. Dabei zeigte sich, dass Individuen, die über zwei Kopien einer bestimmten Variante des Gens ABCC9 verfügen, in einer störungsfreien Umgebung deutlich weniger schlafen als Personen mit zwei Kopien einer anderen Version. Das Gen ABCC9 kodiert für das Protein SUR2, eine Untereinheit eines Kaliumkanals, der als Sensor für den intrazellulären Energiemetabolismus fungiert. Dieses Protein spielt auch bei Herzleiden und Diabetes eine Rolle, wie funktionale Studien erwiesen haben. Ein Zusammenhang von Schlafdauer und Stoffwechselstörungen kann daher möglicherweise durch gemeinsam benutzte molekulare Mechanismen erklärt werden.

Das Gen ABCC9 und entsprechende genetische Faktoren sind weit verbreitet: Das Team blockierte das entsprechende Gen in Fruchtfliegen, woraufhin die Tiere eine deutlich verkürzte Schlafdauer zeigten. Bei Säugetieren ist das Gen in verschiedenen Geweben aktiv, unter anderem im Herz, dem Skelettmuskel und dem Gehirn sowie in Teilen der Bauchspeicheldrüse. Auch bei Fliegen verkürzt ABCC9 den Nachtschlaf. Dies zeigt, dass die genetische Kontrolle der Schlafdauer bei den unterschiedlichsten Tierarten auf ähnlichen Mechanismen beruhen könnte.

Forschern des Deutschen Krebsforschungszentrums ist es mithilfe von Biosensoren gelungen, oxidativen Stress in einem lebenden Organismus zu beobachten. In Versuchen mit Fruchtfliegen fanden sie keine Hinweise darauf, dass die Lebenszeit durch die Bildung schädlicher Oxidanzien verkürzt wird. Auch eine altersabhängige Zunahme dieser reaktiven Spezies im ganzen Körper lies sich nicht nachweisen. Diese zeigte sich ausschließlich im Darm der Fliegen. Überraschendes stellten die Wissenschaftler um Privatdozent Dr. Tobias Dick auch fest, als sie die Tiere mit Acetylcystein (ACC) fütterten: Statt einer erwarteten Abnahme der Oxidanzien steigerten viele Gewebe ihre Oxidanzien- Produkti. »Offenbar sind viele Ergebnisse, die an isolierten Zellen gewonnen wurden, nicht ohne Weiteres auf die Situation in einem lebenden Organismus übertragbar«, sagte Dick. »Das Beispiel zeigt uns auch, dass wir derzeit nicht in der Lage sind, oxidative Prozesse im lebenden Organismus auf vorhersagbare Weise pharmakologisch zu beeinflussen.« Die Arbeit ist in der Fachzeitschrift »Cell Metabolism« veröffentlicht (doi: 10.1016/j.cmet.2011.10.010).

Xylitol-Kaugummis können das Risiko für Mittelohrentzündungen bei Kindern um bis zu 25 Prozent reduzieren. Die Autoren eines neuen Cochrane-Reviews mit Daten aus Finnland fanden ausreichend Hinweise darauf, dass eine tägliche Dosis von 8,4 Gramm Xylitol eine akute Otitis media bei Kindern bis 12 Jahren verhindern kann, wenn diese nicht gleichzeitig unter einem Infekt der oberen Atemwege leiden (doi: 10.1002/14651858.CD007095.pub2). Die Forscher werteten in ihrem Review vier Studien mit mehr als 3000 Kindern aus, die finnische Tagesbetreuungsstätten besuchten. In den berücksichtigten Untersuchungen kauten die Kinder fünfmal täglich nach den Mahlzeiten zwei Stück Kaugummi jeweils fünf Minuten lang. Mit Xylitol-haltigen Lutschtabletten und Sirupen ließen sich ähnliche Ergebnisse erzielen. Der Zuckeralkohol Xylitol wird normalerweise als Zuckerersatz für Diabetiker und als Süßungsmittel mit Antikarieswirkung verwendet. Darüber hinaus kann Xylitol aber auch die Anheftung von Bakterien wie Streptococcus pneumoniae und Haemophilus influenzae an Zellen des Nasen-Rachen-Raums reduzieren. Das haben frühere In-vitro-Untersuchungen gezeigt.

Ein Orgasmus kann Auslöser eines vorübergehenden vollständigen Gedächtnisverlusts sein. Die sogenannte transiente globale Amnesie ist normalerweise Folge von extremer körperlicher, psychischer und emotionaler Belastung oder von starken Reizen. In einem Fallreport beschreiben Notfallmediziner aus Washington jetzt einen Orgasmus als mögliche Ursache. Die Ärzte berichten von einer 54-jährigen Frau, die nach dem sexuellen Höhepunkt in die Notaufnahme kam, da sie keinerlei Erinnerungen an die 24 Stunden davor hatte. Zudem konnte sie sich auch an Dinge nicht erinnern, die sich innerhalb der 30 Minuten nach dem Orgasmus ereignet hatten. Hilfreich bei der Diagnosefindung seien die sich ständig wiederholenden Fragen der Patientin gewesen, berichten die Wissenschaftler im »Journal of Emergency Medicine« (doi: 10.1016/ j.jemermed.2008.02.048).

Jetzt kann sich jeder seinen Teil dazu denken…

 

Einem anderen dabei zuzusehen, wie er sich kratzt, erzeugt auch beim Beobachter Juckreiz. Besonders leicht lassen sich Patienten mit atopischer Dermatitis vom Juckreiz anderer anstecken. Das schreiben Forscher um Gil Yosipovitch von der US-amerikanischen Wake Forest Universität im »British Journal of Dermatology« (doi: 10.1111/j.1365-2133.2011.10318.x). Die Wissenschaftler zeigten Atopikern und gesunden Vergleichspersonen Videos mit sich kratzenden Personen. Zuvor hatten sie die Unter­arme der Studienteilnehmer mit Histamin- oder Kochsalzlösung behandelt. Auch nach der eigentlich wirkungslosen Kochsalz-Applikation reagierten die Probanden auf den optischen Stimulus mit Juckreiz, Atopiker deutlich heftiger als Gesunde.

Stockholm – Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an die Immunforscher Bruce Beutler (USA), Jules Hoffmann (Frankreich) und den gebürtigen Kanadier Ralph Steinman. Die Wissenschaftler haben Schlüsselprinzipien des Immunsystems aufgeklärt. Das sei wichtig, um Therapien gegen Infektionskrankheiten wie Aids sowie gegen Krebs und Entzündungen zu entwickeln, teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit. „Die diesjährigen Nobelpreisträger haben unser Verständnis vom Immunsystem revolutioniert.“

Beutler und Hoffmann bekommen eine Hälfte des Preisgelds für Arbeiten zur Aktivierung des angeborenen Abwehrsystems. Steinman entdeckte und erforschte die dendritischen Zellen, die das im Laufe des Lebens erworbene Immunsystem aktivieren.

Beutler wurde 1957 in Chicago geboren, seit kurzem arbeitet er an der Universität Texas in Dallas. Jules A. Hoffmann kam 1941 in Luxemburg zur Welt, hat aber inzwischen die französische Staatsbürgerschaft. Er soll sich zurzeit auf einem Kolloquium in China aufhalten. Er war auch an der Universität Marburg tätig. Steinman wurde 1943 in Montreal geboren.

Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro (10 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.

Im vergangenen Jahr war der Brite Robert Edwards mit dem Preis ausgezeichnet worden. Er hatte ihn für die Entwicklung der künstlichen Befruchtung erhalten.

Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Nobelpreises benannt. Die feierliche Überreichung findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

 

Lokal appliziertes Azithromycin kann offenbar Borrelien abtöten und nach einem Zeckenstich vor Lyme-Borreliose schützen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher von der Universität München. Im Tierversuch konnte das Team um Professor Dr. Reinhard Straubinger vom Institut für Infektionsmedizin und Zoonosen zeigen, dass ein einmalig an der Einstichstelle angebrachtes Gel mit dem Antibiotikum die Infektion im Keim ersticken kann. Zudem fanden sie heraus, dass diese Therapieform auch dann noch einen Nutzen hatte, wenn sie erst drei Tage nach dem Stich zum Einsatz kam. Im »Journal of Antimicrobial Chemotherapy« haben die Wissenschaftler ihre Ergebnisse veröffentlicht. Mittlerweile wird die lokale Antibiotika-Behandlung gegen Borrelien auch an infizierten Menschen in einer Phase-III-Studie getestet. Vorerst müssen sich Borreliose-Patienten aber noch einer mehrwöchigen Antibiotika-Therapie, zum Beispiel mit Doxycyclin, Amoxicillin oder Cefuroxim, unterziehen. Ärzte müssen eine Behandlung oft auf Verdacht einleiten, weil sich die Erreger direkt nach dem Zeckenstich noch nicht im Organismus nachweisen lassen. »Bei unserem Ansatz wird das Antibiotikum über ein transparentes, selbst klebendes Pflaster direkt auf die Stichstelle aufgebracht«, sagt Straubinger in einer Pressemitteilung der Universität. »Weil nur sehr wenig Antibiotikum enthalten ist, bleibt die Wirkung lokal begrenzt und auch Nebenwirkungen treten kaum auf.«

Wer lacht, ist weniger schmerzempfindlich

Lachen vertreibt Kummer und Sorgen – und Schmerzen. Vermutlich, weil der Körper dabei Glückshormone aus­schüttet, die das Schmerz­empfinden dämpfen. Wie sich das experimentell nachweisen lässt, zeigen Forscher der Oxford-Universität.

Lach-Schmerz-Tests im Labor

Das Team um Robin Dunbar lud 15 Frauen und 20 Männer zum Filmegucken ein. Allein oder in der Gruppe sah sich die eine Hälfte eine Komödie an, die andere verfolgte indes eine Dokumentation. Zunächst beobachteten die Forscher, wie stark und wie viel alle Teilnehmer lachten. Erwartungsgemäß lachten die Komödiengucker mehr als die Dokugucker – aber auch das in unterschiedlichem Maße.

Anschließend überprüften die Wissenschaftler, wie sich das individuelle Lachverhalten auf das persönliche Schmerzempfinden auswirkt. Dafür wandten die Forscher zwei Methoden an: Entweder sie pumpten eine Blutdruck­manschette am Oberarm der Patienten bis zum Anschlag auf oder sie legten ihnen eine minus 16 Grad kalte Manschette um, die man eigentlich zum Weinkühlen verwendet.

Viel lachen – weniger Schmerz spüren

Die Frage, die es nun zu beantworten galt: Wie lange halten die einzelnen Teilnehmer den Schmerz aus? Die Antwort: umso länger, je intensiver sie lachen. Denn diejenigen, die sich gut amüsiert hatten, hielten dem Schmerz deutlich länger stand als die, die wenig zu lachen hatten.

Dieser Effekt lässt sich wahrscheinlich auf die vermehrte Produktion von Glückshormonen wie Endorphine zurück­führen. „Wir vermuten, dass die körperliche Aktion beim Lachen die Aktivierung des Endorphin-Systems in Gang setzt“, erklären die Wissenschaftler. Je mehr solcher Botenstoffe das Gehirn bildet, umso weniger Schmerzen nimmt man schließlich wahr.

Lachen als Schmerztherapie?

Möglicherweise kann man Schmerzen sogar weglachen. Wenn Sie also mal wieder Kopfschmerzen plagen, dann machen Sie es sich doch bei einer guten Komödie auf dem Sofa bequem. Möglichst auch nicht allein, denn Lachen steckt ja bekanntermaßen an. Wer weiß, vielleicht ver­schwinden die Schmerzen schneller als Sie denken. Einen Versuch wäre es in jedem Fall wert.

 

Wer bei Osteoporose immer noch von einer typischen Frauenkrankheit nach der Menopause ausgeht, muss umdenken: Von den mehr als acht Millionen Deutschen, die an Osteoporose leiden, sind etwa ein Drittel Männer – Tendenz zunehmend.

Die Volkskrankheit des fortgeschrittenen Lebensalters steht eng in Zusammenhang mit dem sinkenden Spiegel an Sexualhormonen. Bei der Osteoporose führen alters- und krankheitsbedingte Veränderungen im Stoffwechselhaushalt zu einer kontinuierlichen Verringerung von Dichte und Masse der Knochen. Im Gefolge des Abbaus der Substanz der Knochen nimmt deren Brüchigkeit zu. Grundsätzlich wird zwischen primärer und sekundärer Osteoporose unterschieden. Bei der primären Osteoporose sind keine krankhaften Ursachen festzustellen, während bei der sekundären eine andere Erkrankung oder auch deren Therapie der Auslöser der Osteoporose ist.

Bei Männern werden mehrheitlich sekundäre Osteoporosen diagnostiziert. Bei ihnen ist die Suche nach den krankheitsbedingten Ursachen vorrangig, um eine kausale Therapie einleiten zu können. Beim Mann ist ein Mangel am Sexualhormon Testosteron ein wichtiger Risikofaktor für Osteoporose. Besonders bei Prostatakrebs-Patienten wird ein solcher Mangel durch eine antiandrogene Therapie induziert. Da durch die Behandlung die Lebenserwartung dieser Patienten deutlich zunimmt, steigt deren Osteoporoserisiko im Alter. Weitere Risikofaktoren sind Langzeittherapien mit Glucocorticoiden, Nierenfunktionsstörungen und eine ungesunde Lebensführung mit falscher Ernährung, Nicotin, Alkohol und Bewegungsmangel.

Dr. Axel Schroeder, Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V. (BDU), empfiehlt Männern jenseits der 50, bei ihren Routineterminen beim Urologen auch ihr Osteoporoserisiko abklären zu lassen – besonders wenn sie zu den Risikogruppen gehörten oder typische Symptome zeigen, wie akut auftretende Schmerzen des Skeletts, ungewollter Gewichtsverlust um mehr als zehn Prozent sowie das Schrumpfen der Körpergröße um mehr als vier Zentimeter in einem Jahr. Eine Röntgen-Messung der Knochendichte gibt klaren Aufschluss.

Bei sekundärer Osteoporose, wie sie beim Mann in etwa 60 Prozent der Fälle vorliegt, bietet eine Behandlung der auslösenden Ursachen weitere Möglichkeiten.

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