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Lokal appliziertes Azithromycin kann offenbar Borrelien abtöten und nach einem Zeckenstich vor Lyme-Borreliose schützen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher von der Universität München. Im Tierversuch konnte das Team um Professor Dr. Reinhard Straubinger vom Institut für Infektionsmedizin und Zoonosen zeigen, dass ein einmalig an der Einstichstelle angebrachtes Gel mit dem Antibiotikum die Infektion im Keim ersticken kann. Zudem fanden sie heraus, dass diese Therapieform auch dann noch einen Nutzen hatte, wenn sie erst drei Tage nach dem Stich zum Einsatz kam. Im »Journal of Antimicrobial Chemotherapy« haben die Wissenschaftler ihre Ergebnisse veröffentlicht. Mittlerweile wird die lokale Antibiotika-Behandlung gegen Borrelien auch an infizierten Menschen in einer Phase-III-Studie getestet. Vorerst müssen sich Borreliose-Patienten aber noch einer mehrwöchigen Antibiotika-Therapie, zum Beispiel mit Doxycyclin, Amoxicillin oder Cefuroxim, unterziehen. Ärzte müssen eine Behandlung oft auf Verdacht einleiten, weil sich die Erreger direkt nach dem Zeckenstich noch nicht im Organismus nachweisen lassen. »Bei unserem Ansatz wird das Antibiotikum über ein transparentes, selbst klebendes Pflaster direkt auf die Stichstelle aufgebracht«, sagt Straubinger in einer Pressemitteilung der Universität. »Weil nur sehr wenig Antibiotikum enthalten ist, bleibt die Wirkung lokal begrenzt und auch Nebenwirkungen treten kaum auf.«

Lyme-Borreliose ist eine Multisystem-Erkrankung, welche vorwiegend die Haut, den Bewegungsapparat, das Herz und das Nervensystem betreffen kann. Die Krankheit wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi sensu lato verursacht.

Im Gegensatz zur FSME ist die Borreliose nicht auf einzelne Gebiete beschränkt, sondern kann unterhalb von 1200 m überall von infizierten Zecken auf den Menschen übertragen werden. Nach einem Stich gelangen die Borrelien erst nach etwa 24 Stunden mit den Ausscheidungen in den Körper des Menschen. Daher ist es wichtig, Zecken so schnell wie möglich zu entfernen und die Bissstelle zu desinfizieren. Uebertragung heisst jedoch noch nicht Erkrankung. In 4 bis 5% der Fälle tritt in den folgenden Monaten die Serokonversion ein und nur bei 0,8% der Gebissenen erscheint die typische Wanderröte.

Für die Lyme-Borreliose steht bis anhin kein wirksamer Impfstoff zur Verfügung.

Die Krankheit verläuft in mehreren Stadien, von denen das erste gut auf eine antibiotische Behandlung anspricht. Es ist deshalb entscheidend, so rasch wie möglich mit der Therapie zu beginnen. Zu Beginn stellen Hautläsionen (Erythema migrans) die häufigste klinische Manifestation dar. Als First-Line-Therapie werden Amoxicillin und Doxycyclin verwendet.

Nach einer korrekt mit Antibiotika behandelten Lyme-Borreliose können in seltenen Fällen unspezifische Symptome über Monate persistieren. Diese werden als „Post-Lyme-Syndrom“ (PLS) oder „Chronische Lyme-Borreliose“ (CLB) bezeichnet. In diesem Stadium sind keine Bakterien mehr nachweisbar, die Pathogenese ist ungeklärt. Für Patienten mit PLS/CLB ist eine wiederholte, langfristige Antibiotikagabe zurzeit keine wissenschaftlich gesicherte Therapieoption.

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