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Die Schlafdauer eines Menschen ist individuell unterschiedlich. Eine Rolle spielen – neben saisonalen Veränderungen – unter anderem das Alter, Geschlecht und der Chronotyp. Münchener Chronobiologen haben nun den ersten genetischen Faktor identifiziert, der die Schlafdauer beeinflusst und zugleich weit in der Bevölkerung verbreitet ist.

Die Wissenschaftler führten dazu eine genomweite Assoziationsstudie durch, bei der mehr als 4.000 Probanden aus sieben europäischen Populationen von Estland bis Italien zu ihren Schlafgewohnheiten Rede und Antwort standen. Dabei zeigte sich, dass Individuen, die über zwei Kopien einer bestimmten Variante des Gens ABCC9 verfügen, in einer störungsfreien Umgebung deutlich weniger schlafen als Personen mit zwei Kopien einer anderen Version. Das Gen ABCC9 kodiert für das Protein SUR2, eine Untereinheit eines Kaliumkanals, der als Sensor für den intrazellulären Energiemetabolismus fungiert. Dieses Protein spielt auch bei Herzleiden und Diabetes eine Rolle, wie funktionale Studien erwiesen haben. Ein Zusammenhang von Schlafdauer und Stoffwechselstörungen kann daher möglicherweise durch gemeinsam benutzte molekulare Mechanismen erklärt werden.

Das Gen ABCC9 und entsprechende genetische Faktoren sind weit verbreitet: Das Team blockierte das entsprechende Gen in Fruchtfliegen, woraufhin die Tiere eine deutlich verkürzte Schlafdauer zeigten. Bei Säugetieren ist das Gen in verschiedenen Geweben aktiv, unter anderem im Herz, dem Skelettmuskel und dem Gehirn sowie in Teilen der Bauchspeicheldrüse. Auch bei Fliegen verkürzt ABCC9 den Nachtschlaf. Dies zeigt, dass die genetische Kontrolle der Schlafdauer bei den unterschiedlichsten Tierarten auf ähnlichen Mechanismen beruhen könnte.

Wie alt man wird, liegt in den Genen. Wissenschaftler der Boston University sind in einer so genannten Genom-weiten Assoziationsstudie an mehr als tausend über 100-Jährigen auf Genvarianten gestoßen, die mit Langlebigkeit verbunden sind.

Sie machten bei den hochbetagten Personen insgesamt 150 Polymorphismen von Nukleotiden aus, die als ein Indiz für Langlebigkeit gewertet werden können. Diese Polymorphismen gruppierten sie zu 19 unterschiedlichen Kombinationen, die auf  90% der Testpersonen zutrafen. So kamen die US-Forscher zu einer Art Genom-Profil. Auf Basis dieses Testmodells stellten sie die relevanten Genabschnitte von langlebigen und „normallebigen“ Menschen gegenüber. Sie ermittelten eine Wahrscheinlichkeit von 77 Prozent, dass die Genomtestung die Individuen der richtigen Gruppe – langlebig oder nicht – zuwies.

Das Team um Paola Sebastiani und Thomas Perls schätzt, dass fast jeder siebte Mensch über eine Genkonstellation für Langlebigkeit verfügt. Doch nur jeder Hundertste wird tatsächlich so alt. Dass die anderen Begünstigten früher sterben, könne an ihrer Ernährung, Bewegungs- oder Schlafmangel, Alkohol, Zigaretten oder Unfällen liegen, meinen die Experten. Der weltweit älteste Mensch ist mit 114 Jahren derzeit Eugenie Blanchard. Sie lebt auf der Karibikinsel Guadeloupe. Die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt beträgt für deutsche Frauen derzeit rund 82 Jahre, für Männer nur 76 Jahre.

Quelle: Sebastiani, P. et al.: Genetic Signatures of Exceptional Longevity in Humans. Science, DOI: 10.1126/science.1190532

Die Lebenserwartung ist wohl auch eine Frage der Gene. Forscher um Thomas Perls von der US-amerikanischen Boston University identifizierten gleich 150 Erbgutmerkmale, die für ein langes Leben zu sorgen scheinen. Das belegt ihre Veröffentli­chung im Fachjournal »Science« (doi: 10.1126/science.11905 32). Dafür wurde von 1055 Hochbetagten das Erbgut unter­sucht und mit dem von 1267 jungen Kon­trollpersonen ver­glichen. Dabei zeigte sich, dass besonders alte Studien­teil­nehmer auch besonders viele der 150 maßgeblichen Genvari­anten trugen. Zudem scheint sich mithilfe dieser Marke die Lebenswerwartung mit 77-prozentiger Treffsicherheit vorhersagen zu lassen. Allerdings betonen die Autoren, dass die tatsächliche Lebensdauer stets das Resultat von Genen und Umweltfaktoren sei. Und zumindest Letztere kann jeder selbst beeinflussen.

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